Uns erschüttert der unerwartete Tod von Jörg Deutschewitz Anfang Januar, im Alter von 61 Jahren. Erst jetzt und aufgrund ausgebliebener Kommunikation bestätigte sich Sorge zu trauriger Gewissheit.
Jörg ist aus der Arbeit der SCHOLA HEIDELBERG der letzten drei Jahrzehnte nicht wegzudenken, seine stimmliche und musikalische Sicherheit und seine sanfte Autorität waren stets wesentlicher Bestandteil von Probenprozessen und klingendem Resultat.
Von seiner Erfahrung als Tenor in vielfältigen Besetzungen, in Chören und Ensembles auch außerhalb des KlangForum, und von seiner umfassenden Vertrautheit mit Repertoire und Stilistik von Vokalmusik aller Epochen profitierten alle, die mit ihm zusammenarbeiten durften. Immer bewies er daneben kollegiale Geduld bei der Einarbeitung jüngerer Mitsänger*innen.
Jörgs reicher musikalischen Hintergrund, profiliert und professionalisiert durch Gesangs-, Musikwissenschafts- und Philosophiestudium in Karlsruhe, blieb in der Zusammenarbeit immer spürbar. Hinter einem äußerlichen Anschein von Bescheidenheit verbargen sich unnachahmlicher, oft Probensituationen spontan pointierender Humor und ernsthafte Diskussionsfreude, aber auch Eigensinnigkeit dort, wo interpretatorische oder gar szenische Ansprüche seinen vertrauten Überzeugungen zu fern lagen.
Sein Mut und seine musikalische Intelligenz auch bei der Aneignung extrovertierter Rollen offenbaren sich exemplarisch im großen Tenorsolo aus Claus-Steffen Mahnkopfs ASTRONOMICA (2022) (1).
In Erinnerung bleibt seine kenntnisreiche Treue als Vokalist bei zahlreichen Aufnahmen (2) und unzähligen Konzerten, als Kollege und Freund. Als Musiker.
(1) https://youtu.be/Lqz6LYKz4Rg?si=dJkbDSFli4NTWZ1h.
(2) https://www.youtube.com/results?search_query=%22J%C3%B6rg+Deutschewitz%…