Nur Musik?
Ev. Hosanna Gemeinde, Heidelberg
Komposition:
- Robert Schumann: An die Sterne
- Robert Schumann: Zuversicht
- Michael Maierhof: Exit D, (Prinzhorn/M.S.v.C) für 8 präparierte Stimmen, 2009-2010
- Solage: Fumeux fume par fumée
- Sebastian Claren: Der Adler, für 8 Stimmen auf einen Text von Friedrich Hölderlin
Mitwirkende:
- Einat Aronstein — Sopran
- Julie Catherine — Mezzosopran
- Mercé Bruguera Abelló — Alt
- Barbara Ostertag — Alt
- Stephen Matthews — Tenor
- Philipp Nicklaus — Tenor
- Luciano Lodi — Bariton
- Florian Drexel — Bass
- SCHOLA HEIDELBERG
Leitung: Ekkehard Windrich
Veranstalter: KlangForum Heidelberg e.V.
Das KlangForum Heidelberg ist der Sammlung Prinzhorn seit vielen Jahren künstlerisch eng verbunden. Aus dieser außergewöhnlichen Zusammenarbeit sind zahlreiche Kompositionsaufträge entstanden, die sich intensiv mit den Werken und Dokumenten der Sammlung auseinandersetzen.
Mit der Uraufführung einer neuen Komposition der koreanischen Komponistin Eun-Hwa Cho wird diese Zusammenarbeit fortgesetzt. Ausgehend von den Werken der Sammlung Prinzhorn entwickelt sie eine musikalische Perspektive auf Grenzerfahrungen, individuelle Ausdrucksformen und die vielschichtigen Beziehungen zwischen Kunst und Lebenswirklichkeit.
Ebenfalls auf dem Programm steht Michael Maierhofs "Exit D". Ausgangspunkt des Werkes ist ein von Malvina Schnorr von Carolsfeld verfasster Satz, der durch kreisförmige Übermalungen nahezu unlesbar geworden ist. Maierhof überträgt diesen Eingriff in die Sprache auf die Musik, indem er die Stimmen präpariert und ihre gewohnte Klanglichkeit verändert. So entsteht eine neue Ausdrucksebene, die den ursprünglichen Text nicht verdeckt, sondern auf eindrucksvolle Weise erweitert.
Mit Solages geheimnisvollem Rondeau "Fumeux fume par fumée" führt das Programm bis ins späte 14. Jahrhundert zurück. Das Werk gilt als eines der außergewöhnlichsten Beispiele mittelalterlicher Mehrstimmigkeit und spielt mit musikalischen und sprachlichen Anspielungen auf Verwirrung und Entrückung. Robert Schumanns Werke schlagen den Bogen zur Romantik. Sie spiegeln die intensive Auseinandersetzung des Komponisten mit existenziellen Fragen und zeigen bereits jene Hinwendung zur verletzlichen menschlichen Psyche, die später für die Kunst der Moderne prägend werden sollte.
Den Abschluss bildet Sebastian Clarens "Der Adler" nach Gedichtfragmenten Friedrich Hölderlins. In einer hochdifferenzierten Vertonung werden Sprache und Musik immer wieder neu zueinander in Beziehung gesetzt. Das Werk bewegt sich an der Grenze des Sagbaren und eröffnet einen vielschichtigen Klangraum, in dem Bedeutung, Erinnerung und Ausdruck immer wieder neu entstehen.
Das Konzert verbindet Musik aus sieben Jahrhunderten zu einem eindrucksvollen Programm über Wahrnehmung, Sprache, Kreativität und die feinen Übergänge zwischen künstlerischer Inspiration und menschlicher Grenzerfahrung.